ZEITSPRUNG ist eine konzeptionelle Bild- und Präsentationsarbeit, die historische Gemälde in einen heutigen Kontext überführt.
Im Mittelpunkt stehen nicht die Werke selbst, sondern ihre Figuren, Rollen und Charakterzüge – und die Frage, wie zeitlos sie tatsächlich sind.
Die Arbeit geht von der Annahme aus, dass sich gesellschaftliche Muster, Machtverhältnisse und menschliche Eigenschaften weniger verändern als ihre äußeren Bühnen.
Ausgangspunkt von ZEITSPRUNG waren klassische Ölgemälde und ihre zentralen Figuren.
Nicht als Zitat oder Hommage, sondern als Material für Übersetzung.
Die zentrale Fragestellung lautete:
Funktionieren diese Figuren auch heute – und wenn ja, warum?
Dabei ging es weniger um historische Genauigkeit als um inhaltliche Kontinuität:
Welche Rollen, Haltungen und Charakterzüge lassen sich aus ihrem ursprünglichen Kontext lösen und in die Gegenwart übertragen?
In ZEITSPRUNG werden die Figuren in moderne Szenarien versetzt – bewusst zugespitzt, teilweise sarkastisch, stellenweise mit dunklem Humor.
Beispiele:
Der wohlgenährte Gerard Andriesz Bicker aus einem historischen Gemälde wird in der Gegenwart
zum Sinnbild von Überfluss und maßlosem Konsum – ein Körper als Spiegel gesellschaftlicher Gewohnheiten.
Und natürlich die Kölnerin Elisabeth Bellinghausen, die bereits zu ihrer Zeit öffentliche Aufmerksamkeit gezielt zu nutzen wusste, würde heute selbstverständlich als Influencerin funktionieren – nicht trotz, sondern wegen ihrer Fähigkeit zur Selbstinszenierung.
Der Humor dient nicht der Belustigung, sondern der Perspektivverschiebung – er zeigt, wie Rollenbilder gelesen und hinterfragt werden können. Auf dieser Grundlage entsteht die formale Setzung des
Projekts.
Diese Übersetzungen zeigen, dass bestimmte Charakterzüge nicht nur historische Momente markieren, sondern zeitlose Muster und Spannungsfelder offenlegen – ein zentrales Element meiner konzeptionellen Arbeit.
Das Portrait der Elisabeth Bellinghausen (ca. 1520 - 1570)
Historisches Gemälde & Moderne Interpretation
Alle Arbeiten folgen einer klar definierten formalen Logik.
Die Umsetzung ist bewusst einheitlich gehalten, um Vergleichbarkeit herzustellen.
Diese formale Stringenz ist Teil des Konzepts:
gleiche Bildstruktur
vergleichbarer Aufbau
wiederkehrende visuelle Prinzipien
So entsteht eine Serie, in der nicht das einzelne Bild dominiert, sondern das Zusammenspiel.
Die Bildwelten entstehen durch digitale Bildbearbeitung.
In der Präsentation werden die verwendeten Bauteile und Arbeitsschritte bewusst offengelegt: Ebenen, Montagen, Eingriffe und Kombinationen.
Die Technik dient dabei nicht der Effekterzeugung, sondern der Übersetzung zwischen Zeiten.
Sie ist Werkzeug, nicht Thema – und wird dennoch sichtbar gemacht, um den Entstehungsprozess nachvollziehbar zu halten.
ZEITSPRUNG macht sichtbar, dass historische Figuren nicht im Museum stehen bleiben – sie erzählen weiter, hinterfragen unsere Gegenwart und eröffnen neue Perspektiven auf Rollen, Macht und Wahrnehmung.
Die Arbeit macht sichtbar:
die Zeitlosigkeit bestimmter Rollen
die Wiederkehr gesellschaftlicher Muster
die Verschiebung von Moral, Macht und Öffentlichkeit
Nicht als abschließende Bewertung, sondern als offenes Angebot zur Einordnung.
ZEITSPRUNG steht exemplarisch für meine konzeptionelle Arbeitsweise:
Inhalte werden analysiert, übersetzt und in eine klare formale Struktur überführt.
Die Arbeit verbindet konzeptionelles Denken, gesellschaftliche Beobachtung und visuelle Umsetzung – und zeigt, wie Gestaltung als Mittel der inhaltlichen Zuspitzung und Reflexion eingesetzt werden kann.
Wenn du ein Produkt hast, das fachlich steht – aber noch keine klare Sprache, keine Richtung oder keine stimmige Klammer:
Schreib mir. Ich helfe dabei, das Wesentliche zu ordnen und in eine tragfähige Linie zu übersetzen.
Weitere ausgewählte Arbeiten finden sich unter Ausgewählte Projekte.
Detaillierte Fallbeispiele mit stärkerem Fokus auf Prozesse und Entscheidungen unter Fallbeispiele.
Mara M. Glüher | +49 (0) 9183 - 283 987 2 | [email protected] | © all rights reserved