Skizzen und strukturierende Dokumente wie User Manuals dienen mir als zentrale Denk- und Arbeitswerkzeuge.
Sie sind für mich keine nachgelagerten Dokumente, sondern zentrale Arbeitswerkzeuge und dienen der Klärung von Inhalt, Struktur und Bedeutung
– lange bevor Ergebnisse festgeschrieben werden.
Der folgende Entwurfsprozess meines eigenen Logos zeigt exemplarisch, wie ich arbeite:
vom offenen Scribble über konzeptionelle Entscheidungen bis hin zur bewussten Weiterentwicklung.
Im Zuge einer Namensänderung war mein bestehendes Logo nicht mehr tragfähig.
Da es auf meinen Initialen basierte, musste die visuelle Identität neu gedacht werden.
Die Aufgabe bestand jedoch nicht darin, ein neues Zeichen zu entwerfen, sondern eine logische Weiterentwicklung zu finden:
Was soll erhalten bleiben?
Was muss sich verändern?
Und welche Bedeutung soll das Zeichen langfristig tragen?
Mein Logo vor der Änderung meines Nachnamens, bestehend aus den Initialen J & B.
( Jessica Beyersdorfer -> Jessica Glüher )
Ziel war die Entwicklung eines Logos, das:
auf meinen Initialen basiert
eine klare innere Logik besitzt
Bedeutung trägt
offen für Weiterentwicklung bleibt
Im Zentrum stand dabei nicht die Form, sondern die Frage:
Was erzählt dieses Zeichen über mich und meine Arbeitsweise?
Der Prozess begann bewusst ohne Bewertung.
Mit Stift und Papier entstanden zahlreiche Scribbles, Varianten und Fragmentierungen der neuen Initialen – als Suchbewegung, nicht als Lösungsproduktion.
In dieser Phase ging es nicht um Entscheidungen, sondern um Orientierung:
Welche Formen tragen?
Wo entsteht Spannung?
Wo zeigt sich Richtung?
Aus der Vielzahl der Skizzen kristallisierten sich tragfähige Konstanten heraus.
Bestimmte Elemente des vorherigen Logos – der senkrechte Strich und der Punkt – erwiesen sich weiterhin als relevant und wurden bewusst übernommen.
Sie fungierten als konzeptionelle Klammer zwischen alter und neuer Identität.
Erst während der Arbeit zeigte sich eine zusätzliche Bedeutungsebene:
Die Kombination der Initialen wirkte wie eine Figur, die sich die Hand über die Augen hält und in die Ferne blickt.
Ein Zufall – aber ein relevanter.
Denn genau dieser Blick nach vorn entspricht meiner Arbeitsweise: beobachten, lesen, erkennen und bewusst weiterdenken.
Diese Beobachtung wurde nicht dekorativ genutzt, sondern konsequent in den Entwurfsprozess integriert.
In weiteren Skizzen wurde geprüft, ob diese Bedeutung tragfähig ist.
Der senkrechte Strich wurde zur Antenne, der Punkt zu einem funktionalen Detail, die Buchstaben zu Armen und Körper.
Skizzen dienten hier als Denkfläche, um Zusammenhänge sichtbar zu machen und Entwurfsentscheidungen abzusichern.
Bevor es in die Ausarbeitung ging, wurde die innere Ordnung des Zeichens festgelegt:
Welche Elemente sind funktional?
Welche sind symbolisch?
Welche dürfen sich verändern, welche müssen stabil bleiben?
Erst danach wurde gestaltet.
Die Ausarbeitung erfolgte zunächst analog.
Das Logo wurde mit Pinsel und Acryl in sauberen Proportionen ausgearbeitet, um Struktur und Dynamik bewusst zu steuern.
Anschließend folgten Digitalisierung und Reinzeichnung.
In einem weiteren Schritt wurde das Zeichen in Bewegung gedacht:
Aus der statischen Form entstand eine Figur,
ein Storyboard
und schließlich eine kurze Animation.
Nicht als Selbstzweck, sondern als logische Erweiterung der zuvor entwickelten Bedeutung.
Die Weiterentwicklung meines Logos war keine formale Optimierung, sondern eine bewusste inhaltliche Erweiterung.
Die zentralen Elemente blieben erhalten:
das G als Initiale meines Nachnamens,
der kleine Astronaut als Sinnbild für visionäres Nach-vorn-Schauen, Neugier und die fortwährende Auseinandersetzung mit neuen Fragen, Aufgaben
und Möglichkeiten,
sowie das J als Zeichen eines Namens, den ich viele Jahre meines Lebens getragen habe und der Teil meiner Geschichte ist.
Mit der Annahme meines heutigen Namens kam eine weitere Ebene hinzu. Das M von Mara wurde integriert – nicht als Bruch, sondern als Ergänzung.
Das M ist bewusst in Bergform gestaltet.
Berge stehen symbolisch für Stabilität, Beständigkeit und die Überwindung von Herausforderungen. Sie verbinden Bodenhaftung mit Überblick und stehen für einen gewachsenen Standpunkt.
In dieser Kombination erzählt das Logo heute mehr als eine formale Identität:
Der Astronaut steht weiterhin für das visionäre Nach-vorne-Schauen, für Neugier und die fortwährende Auseinandersetzung mit neuen Fragen, Aufgaben und Möglichkeiten.
Diese Offenheit bleibt bestehen – sie wird durch das Bergmotiv ergänzt.
Der Berg bildet ein stabiles, tragfähiges Fundament und steht für Erfahrung, Standfestigkeit und Beständigkeit. Er verankert die Suche, ohne sie zu beenden.
Der Punkt im Logo bleibt erhalten und markiert dabei bewusst das Innehalten und Abschließen: Gedanken zu Ende führen, Aussagen präzisieren, Dinge auf den Punkt bringen.
Abschließend wurde das Logo in einen Rahmen gefasst.
Dieser Rahmen steht für das Blatt und die Grundlage, auf der meine Arbeit beginnt.
Er bildet den strukturellen Rahmen, in dem Projekte entstehen, sich entwickeln und zu einem Abschluss geführt werden.
Das heutige Logo bildet damit kein abgeschlossenes Zeichen, sondern ein gewachsenes System.
Es verbindet Offenheit und Stabilität und bildet die Grundlage für meine heutige Arbeit.
Skizzen sind Denk- und Entscheidungsräume
Bedeutung entsteht im Prozess, nicht am Reißbrett
Gute Gestaltung hält Veränderung aus
Frühzeitige Klärung spart spätere Korrekturen
Dieses Projekt steht exemplarisch für meine Arbeitsweise in:
User Manuals
Informations- und Schulungsunterlagen
konzeptionellen Entwurfsprozessen
der Übersetzung komplexer Inhalte in nachvollziehbare Strukturen
Das Logo ist damit kein abgeschlossenes Zeichen, sondern ein gewachsenes System – getragen von Kontinuität, ergänzt durch Entwicklung.
Dieses Fallbeispiel zeigt, wie Skizzen und Manuals als Denk- und Arbeitswerkzeuge eingesetzt werden, um Struktur, Bedeutung und Richtung zu klären.
In anderen Projekten verschiebt sich dieser Fokus von der Entwurfsarbeit hin zur Vermittlung: Inhalte werden nicht nur gedacht, sondern gezielt aufbereitet, erklärt und weitergegeben.
Mara M. Glüher | +49 (0) 9183 - 283 987 2 | [email protected] | © all rights reserved